Diagnostische und therapeutische Methoden

Im Zentrum der Behandlung steht die differenzierte Diagnose neuropsychologischer Symptomatiken und die Frage, ob diagnostizierte Defizite restitutiv (wiederherstellend) oder kompensatorisch behandelt werden können.

Die Diagnostik in der Klinischen Neuropsychologie, insbesondere der Bereich, der kognitive Aspekte des Verhaltens untersucht, arbeitet mit Verfahren, die meist in der Allgemeinen Psychologie entwickelt werden und dort für die Gewinnung von Daten gesunder Menschen angewendet werden. Defizite der PatientInnen können dadurch zu Modellen der intakten Funktion in Beziehung gesetzt werden, um möglichst spezifische Restitutions- oder Kompensationsmaßnahmen einzuleiten.

Die meisten diagnostischen und therapeutischen Ansätze erfordern kontrollierte Stimulusvorgaben und Reaktionsmessungen und setzen deshalb eine entsprechende apparative Ausstattung voraus. Die experimentell-orientierte Vorgehensweise ermöglicht die kontinuierliche Registrierung von Behandlungseffekten und somit eine Verlaufskontrolle.

Außerdem findet eine Vielzahl psychometrischer Verfahren in der neuropsychologischen Diagnostik Anwendung. Zu diesen Verfahren zählen unter anderem Intelligenztests, Sprachtests, Gedächtnistests, Aufmerksamkeitstests, Verfahren zur Untersuchung exekutiver Funktionen und der schrift-sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten.

Neben der Diagnostik der funktionell-kognitiven Einschränkungen müssen im Untersuchungsprozess auch emotionale und motivationale Faktoren berücksichtigt werden.

Neben der Diagnostik der Defizite ist auch die Identifizierung noch intakter Funktionen für die Therapieplanung von Bedeutung.

Die therapeutischen Maßnahmen orientieren sich an den konkreten Funktionsbeeinträchtigungen. Grundsätzlich unterschieden werden Funktionstherapien (Restitution), Kompensationstherapien und integrative Behandlungsmethoden:

  • Mit dem Begriff „Funktionstherapie“ wird eine Behandlungsform umschrieben, bei der durch eine spezifische Intervention ein bestimmtes Verhalten durch das direkte Üben der beeinträchtigten Funktion verbessert werden soll. Durch das Training elementarer Funktionen kann dabei ein Leistungs- und Lernzugewinn erzielt werden, der zu funktionellen Verbesserungen führt. Ansatzpunkt für die Funktionstherapie ist die Ebene von Basisfunktionen und Fertigkeiten, Ziel ist die Funktionsrestitution im Sinne der Reaktivierung der gestörten Funktionen.

  • Wenn eine Funktionsrestitution nicht möglich ist, werden Kompensationstherapien eingesetzt. Sie dienen dazu, die Bewältigungsfähigkeiten des Individuums aufzubauen bzw. zu verbessern. Dabei werden die intakten kognitiven Fähigkeiten zur Kompensation der Defizite in den beeinträchtigten Bereichen eingesetzt. Für den Erfolg der Kompensationsstrategie ist oftmals die Mitarbeit des engeren sozialen Umfelds von wesentlicher Bedeutung. Zu den Methoden der neuropsychologischen Kompensationstherapie zählen die Realitätsanpassung und -überprüfung und die Vermittlung und der Erwerb von Kompensationsstrategien.

  • Unter dem Begriff der integrativen Behandlungsmethoden wird der Einsatz psychotherapeutischer Verfahren (z.B. Methoden der Verhaltenstherapie) zusammengefasst, die entsprechend der Bedürfnisse der PatientInnen und ihrer Angehörigen adaptiert werden. Im Fokus der Behandlung stehen hier unter anderem emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten, Krankheitsbewältigung, Anpassung an die Krankheitsfolgen, der Umgang mit Stress, Störungen der Krankheitseinsicht, familiäre, schulische und berufliche Probleme sowie Rollenveränderungen.

Zusätzlich zu den genannten Therapieformen schließen die therapeutischen Methoden die psychotherapeutische Arbeit an teilweise schmerzhaften Anpassungsprozessen ein, die durch die mitunter irreversiblen Schädigungen notwendig sind. Hier entstehen auch immer wieder veränderte diagnostische Fragestellungen, wenn es etwa um Fragen der beruflichen Rehabilitierbarkeit oder um Fragen der adäquaten Betreuung oder Unterbringung geht. Eine Vielzahl der PatientInnen benötigt zusätzlich über einen langen Zeitraum hinweg Unterstützung im Umgang mit Institutionen und Behörden. Ein nicht unerheblicher Teil der Arbeit betrifft die Information und die Unterstützung des sozialen Umfeldes der PatientInnen (Angehörigenarbeit).